Warum Frühmobilisierung?

Es gibt viele Gründe, warum man nicht lange bis zum Therapiebeginn warten sollte. Erfahrungsgemäß sind Patienten deutlich schneller wieder fit und können Ihrem Alltag sowie Ihrer Arbeit nachgehen und benötigen dafür weniger Rezeptverodnungen. Sofern es sich um keine Fraktur handelt, die konservativ heilen soll, beginnen wir schon ab dem 2. Tag nach OP oder dem Trauma mit der Therapie. Damit die Chancen der Frühmobilisierung genutzt werden können, freuen wir uns über zeitnahe Überweisungen mit dem Hinweis „Akutpatient“und/oder einen kurzen Telefonanruf/E-Mail von Ihnen mit den nötigen Informationen. So können wir versuchen, den Patienten zeitnah zu terminieren.

Orthopädie/Chirurgie:

Durch die Frühmobilisierung werden die richtigen Bildungsreize für das sich neu bildende Kollagen bereits während der Wundheilung gesetzt:

  • Laut Studienlage bildet bspw. eine Sehne, die mittels passiver – oder noch besser aktiver – Frühmobilisierung behandelt wird, schneller eine größere Zugstärke aus, als dies bei einer Immobilisierung der Fall ist. Ergotherapeutische Schienen eröffnen hier neue Möglichkeiten, da einige Behandlungskonzepte ohne sie gar nicht durchführbar wären.
  • Durch die Frühmobilisierung bilden Kapselband-Verletzungen weniger Cross-Links (Adhäsionen) aus, und das Kapselmuster kann schneller durchbrochen werden. Tapeanlagen helfen außerdem gegen Schmerzen.

Um uns stetig fortbilden zu können und weil wir immer auf der Suche nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sind, freuen wir uns über Symposien und Fortbildungen, die das Thema behandeln. Außerdem sind wir über den direkten Kontakt zu Ihnen als Arzt und über möglichst genaue Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Patienten dankbar. Kontaktieren Sie uns gerne!

Empfehlungen zur Frühmobilisierung bei:
Dupuytren

Da es sich hierbei in der Regel um Zonen in der Hand handelt, die unterschiedliche Gleitlager besitzen und zu Adhäsionen neigen, ist eine Frühmobilisierung ab dem 2. Tag nach der OP immer empfehlenswert. Ziel ist es, das OP-Ergebnis langanhaltend zu sichern. Da es sich bei dieser Art von OP fast ausschließlich um geplante Eingriffe handelt, bietet sich der Vorteil, dass Behandlungstermine bei uns bereits vor der eigentlichen Operation vereinbart werden können und die Frühmobilisierung somit gesichert werden kann.

Da meist ein längerer Zeitraum mit einem Extensionsdefizit des Fingers voraus gegangen ist, sind oft auch Weichteilverkürzungen vorhanden, die wiederaufgearbeitet werden müssen. In den ersten drei Monaten nach der OP sollte eine Extensionsnachtlagerungsschiene für die betroffenen Finger getragen werden, um einer Narbenkontraktur vorzubeugen. Diese sollte auf dem ersten Ergotherapie-Rezept unter Besonderheiten direkt verordnet werden (diese Schienen fällt wird nicht in das Heilmittelbudget einbezogen, siehe unsere Rezeptmuster).

Falls es zu Problemnarben kommt, haben wir die Möglichkeit, Elastomerkitt in die Schiene einzuarbeiten, was der Wirkung von Silikonpflastern ähnelt.

Nachbehandlung von Sehnenrupturen

Bis auf die Zone 1 und 2 der Strecksehnen muss eine Sehne im Gleiten heilen, da sie sonst mit dem umliegenden Gewebe verklebt. Die Stabilität und Zone einer Sehnennaht ist deshalb entscheidend für die Art der Nachbehandlung. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der passiven oder aktiven Nachbehandlung: Washington Regime, Duran Houser, Norwich Regime, SAM-Konzept u.v.m.

Wichtig ist ein frühzeitiger Beginn der Therapie nach der OP, da eine anfängliche Immobilisierung bereits ab dem 5. Tag nach der OP zu einer Sehnenerweichung führen würde. Die rechtzeitig Terminierung ist deshalb besonders wichtig. Am besten kontaktieren uns Patienten am OP-Tag oder bei einer geplanten OP entsprechend früher! Außerdem sind detaillierte Informationen für uns besonders wichtig! Neben Angaben zur Sehnennaht, Sehnentransplantation (einzeitig/zweizeitig), Ringbandverletzung/-plastik (dann Ringbandschutz erforderlich?) und Nerven-Gefäßverletzungen können Sie uns einfach den OP-Bericht beilegen und eventuell vorhanden Röntgenbilder, etc. Falls Sie gesonderte Wünsche zur Nachbehandlung haben, geben Sie uns einfach Ihr Nachbehandlungskonzept mit. Wir freuen uns immer über direkten Kontakt und Austausch.

Kapselband-Verletzungen

Bei Kapselband-Verletzungen ist die Stabilität eines Gelenkes in Gefahr. Deshalb reagiert der Körper zunächst mit einem Kapselmuster: Die verletzte Kapsel bildet Narbengewebe aus und zeigt Bewegungseinschränkungen (je nach Gelenk in einem dafür charakteristischen Muster). Eine Immobilisierung führt dazu, dass sich neues Kollagen nicht in Bewegungsrichtung anlagern kann. Dauert die Immobilisierung zu lange an, so bilden sich Kontrakturen.

Bei Verletzungen mit knöchernem Ausriss muss überlegt werden, ob eine Schiene notwendig ist. Falls dies der Fall ist, muss der Tragezeitraum geklärt werden. Ansonsten empfehlen wir zu Beginn einer jeden Behandlung einen Tapeverband oder ein Twin-Tape (Fingerflinte). Ab dem 2. Tag nach dem Trauma beginnen wir, den umliegenden Muskeltonus zu reduzieren und leiten eine Schmerzbehandlung ein, die über die manuelle Therapie in einer Kapselbehandlung mündet. Je instabiler ein Gelenk (Collateralbänder Klafftest) ist, umso mehr Stabilität wird von außen benötigt. Wichtig ist jedoch, die Beweglichkeit möglichst wenig einzuschränken. Bei den Mittelgelenken der Langfinger oder dem Grundgelenk des Daumens empfehlen wir hierfür nach der Tapeanlage im Verlauf gerne einen Antihyperextensionsring.

Auch hier sind detaillierte Informationen für uns immer von Vorteil. Legen Sie einfach den OP-Bericht sowie ggf. vohandenes Röntgen-, MRR- oder CT-Material bei.

Neurologie:

Bei allen neurologischen Patienten sollte nach der stationären Reha in der ersten Zeit nach einem Akutereignis eine ambulante Intensivtherapie bis zu 5 Mal pro Woche stattfinden, da so die größtmöglichen Erfolge erzielt werden können. Da manche Diagnosen, wie z.B. Apoplex, auch als Langfristverordnung gelistet sind, sind viele Therapien auch extrabudgetär möglich. Siehe „spätere Änderung auf Hemiplegie“ unter „extrabudgetäres Verordnen“. Das Gleiche gilt auch nach Botox-Injektionen bei Spastikern, Patienten mit MS, etc.

Unsere Neuro-Hand und Neuro-Reha-Therapeuten stehen unseren Patienten zur Verfügung und werden sie herausfordern. Gemeinsame Zielsetzung mit dem Patienten und viel Eigenaktivität mit Spaß soll zu einer guten posturalen Kontrolle und Feinmotorik führen. Über unsere Fachexpertise im Schienenbau können wir außerdem eine individuelle Kontrakturprophylaxe bieten, wenn andere Schienen nicht mehr in Frage kommen.

Über unsere Reha-PLUS-Angebote wird z.B. auch das Training mit Biofeedback (Biometrics E-Link System) möglich. Hier haben wir viele Möglichkeiten: U.a. können wir mit einem Muskelsensor einen Muskel ohne Bewegungsausschlag trainieren und darüber Bewegung anbahnen. Aber auch Kraft- und Bewegungssensoren sind vorhanden, die an jedes Gelenk angebracht werden können und Messungen durchführen, die für Gerichtsurteile zugelassen sind.

Pädiatrie/Kinderheilkunde:

Auch für Kinder bietet die Frühmobilisierung viele Vorteile!

Ein großer Fachbereich ist die Pädiatrie – hierfür sind wir bestens ausgestattet! Je nach Indikation und Zielsetzung können wir auf unsere Pädiatrie-Expertise setzen, aber auch auf das Know-How unserer Neuro- und Ortho-/Chirurgie-Teams zurückgreifen. Einige Kollegen haben sich auf die Neuropädiatrie spezialisiert. Spätestens ab einem Alter von sechs Jahren können wir mit Kindern auch in der Nachbehandlung von Sehnenrupturen die Frühmobilisierung starten.